Dieser Musik-Tipp ist fällt insofern aus meinem nicht gesteckten Rahmen, als dass er ein Album einer Band empfiehlt, die sich in ihrer Szene, der extremen Metal-Szene, einen gewissen Bekanntheitsgrad und auch Erfolg erarbeiten konnte, und ich eigentlich vor hatte, eher unbekannte Bands und versteckte Juwelen zu empfehlen. Nocte Obducta haben sich ihren Ruf allerdings mit viel Schweiß, Blut und sicherlich auch Tränen erkauft, wurden sie wegen ihrer vielen Stilbrüche und Grenzüberschreitungen doch von Puristen unter den Black Metallern doch als Verräter beschimpft, abgewiesen und dadurch letztlich in die Selbstauflösung getrieben. Zweitens dürfte dieser Tipp aus eben diesem Grund der Band noch weniger bringen als meine bisherigen Musik-Tipps, denn wie schon erwähnt, gibt es sie seit 2006 nicht mehr. Trotzalledem entschloss sich die Gruppe um Marcel „Traumschänder“ Breuer, ein Abschiedsalbum aufzunehmen, und genau das ist es, was mich dazu bringt, dieses Album und selbstfreilich auch diese Band zu empfehlen, denn dieses Album ist, was es ist: Abschied. Innerhalb von zwei Stücken, die in sich nochmals in insgesamt 21 Teile aufgeteilt sind, fasst die Band ihre über dreizehnjährige Geschichte komplett zusammen, zieht ein Fazit und gibt gleichzeitig Ausblick auf die Zukunft – ohne Nocte Obducta, aber trotzdem mit dieser Musik, führt ein Teil der Band seine Kreativität doch unter dem Namen Dinner auf Uranos weiter.
Geboten wird eine Mischung aus Metal im weitesten Sinne, verziert mit den für die Band typischen Grenzübertritte in unter anderem Postrock und elektronischem Ambient verwandte Genre, und, was mir bisher bei keiner anderen Band in dem Maße aufgefallen ist: es findet immer wieder Reminizensen an die doch sehr unterschiedliche Musik der vorherigen sechs Alben, so dass der Hörer, sofern er diese kennt, das komplette Spektrum nocte-obductascher Schaffenskunst durchmessen und in wohliger, melancholischer Erinnerung schwelgen kann. Für den Leser, der durch diesen Musik-Tipp überhaupt erst auf die Band und ihr Werk aufmerksam wurde, könnte dieses traurig-tragende, aber doch komplexe und gierende Werk der Einstieg sein, sich mit den anderen Alben, die jedes für sich ein Kunstwerk sind, auseinander zu setzen.